Das sind wir

… das Corps der Bürgersöhne

Gruppenfoto im Burgpark – 2025

Wer im Zusammenhang mit dem Freischießen von „Junggesellen“ spricht, meint eine Korporation. Und wenn das Corps der Bürgersöhne in Erscheinung tritt, ist eben diese Gemeinschaft gemeint. Beide Bezeichnungen sind historisch belegt. Ob Junggesellen oder Bürgersöhne; in jedem Fall ist eine Korporation gemeint, die oft als das Salz in der Suppe des Freischießens bezeichnet wird. Das ist irreführend; denn Freischießen ist ein Hauptgericht, keine Suppe, und wenn schon die Korporationen mit Gewürzen verglichen werden sollten, dann wären die Junggesellen eher Pfeffer oder Paprika des Peiner Freischießens. Die Muntermacher also, stets für Überraschungen gut, aber andererseits auch stolz auf ein historisch fundiertes Renommee.

Urkundlich belegt ist die „Junggesellen-Kompagnie“ seit dem 12 Juni 1814, doch bereits seit 1777 hatten laut Abrechnung im Schafferbuch rund 35 junge und neue Bürger mitgeschossen.

Von 1814 an, soviel steht fest, konnte jeder unverheiratete Bürgersohn Mitglied der Korporation werden, sofern er das 17. Lebensjahr erreicht, aus der Lehre getreten und unbescholtenen Rufes war. Die genaue Chronologie kann unter Geschichte nachgelesen werden.

Bei den Auszügen trug man Frack, weißes oder schwarzes Beinkleid, runden Hut und eine weiße, seidene Binde um den linken Ärmel. Gemäß Statuten, die die Stadt am 30.05.1888 bestätigte, durfte statt Frack auch der damals gebräuchliche Gehrock getragen werden. Wie es heißt, hatten in den vorangegangenen Jahren viele Erstteilnehmer „die Rockzipfel nach hinten umgenäht, um so ein dem Frack ähnlichen Kleidungsstück herzustellen.“ Bis zum heutigen Tage blieb es bei diesem Anzug, bestehend aus Gehrock, weißer Hose, Zylinder und weißer Seidenbinde. Das Festkleid der Junggesellen hebt sich von den Uniformen der übrigen Freischießen Korporationen deutlich ab. Es spricht für das gesunde Selbstbewusstsein der Korporation der Unverheirateten; und es ist durchaus denkbar, dass die Bürgersöhne als Vereinigung schon viel früher existiert haben als dies urkundlich nachweisbar ist.

Und auch die so finster aussehenden Sappeure („Bärenjungen“, „Torfbäkker“) sind im Grunde Ihres Herzens friedliche Gesellen. Mit hohen Fellmützen und künstlichen Bärten ziehen sie aus und verkörpern ein Stück Stadtgeschichte. Es ist anzunehmen, dass während des 30-jährigen Krieges auch Knaben zur Verteidigung der Stadt herangezogen wurden. Die furchteinflößende Verkleidung könnte bezweckt haben, die jungen Leute älter und gefährlicher erscheinen zu lassen, als sie es in Wahrheit waren. Möglich auch, dass sie sich selber auf alt trimmten, um mitmachen zu dürfen.

Bärenjungen sind außerdem mit Äxten ausgestattet. Das gibt im Zusammenhang mit der Bezeichnung „Sappeure“ Sinn, die soviel bedeutet wie „Pionier“. Mag sein, dass männliche Jugendliche in frühen Zeiten tatsächlich als solche eingesetzt worden sind, die Äxte könnten aber auch dazu verwendet worden sein, den Freischießen-Umzügen freie Bahn zu verschaffen, wenn Gegner des Festes Barrikaden errichtet hatten.

1903 wird der Beschluss gefasst, eine Passive Abteilung aufzustellen. Sie schossen 1929 erstmals einen eigenen König aus. Doch schon im 19. Jahrhundert waren einige Verheiratete als zahlende Mitglieder dem Corps verbunden geblieben.

Besonders stolz sind die Junggesellen auf ihr eigenes Haus. Sie nennen das, auf dem Schützenplatz stehende, Gebäude ihre „Heiligen Hallen“ und investieren viel Geld und vor allem Arbeitskraft in das „Junggesellenzelt“, wie es traditionell genannt wird.

Die Junggesellen halten auf Tradition, aber sie halten auch mit Verbesserungsvorschlägen nicht hinterm Berg. So spendierten Sie 1961 beim Sektempfang im Kreishaus „kalte Platten“, damit die Eingeladenen ihren Hunger stillen konnten. Daraus entstand ein bereits traditionelles „Sektfrühstück“, da der Gastgeber den Wink mit dem Zaunpfahl verstand.

Auch die Abstellung des 1. und 2. Leutnanten beim Eintrag der Könige in das Goldene Buch der Stadt Peine zum Schutze eben selbiges, ist auf die Junggesellen zurückzuführen, da Sie in den 1990er Jahren nicht nur einmal das Goldene Buch zum Schutze vor Entwendungen an einen sicheren Ort verbrachten. Von dort konnte der Bürgermeister das Buch nur gegen einen „Finderlohn“ auslösen.

Details am Rande, aber doch Beispiel dafür, dass das Corps der Bürgersöhne in der Lage ist, Traditionen zu achten und sie zugleich jung zu erhalten: Der Wahlspruch der Korporation ist das Goethe Wort:
„Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“
Dies beherzigen die Junggesellen. Bei Goethe heißt es weiter:
„Was man nicht nützt ist eine schwere Last. Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.“
Auch danach halten sich die Bürgersöhne. Solange das Corps danach handelt, braucht niemand um die Existenz des Peiner Freischießens zu fürchten. Es hält alte Tradition lebendig, nutzt die Möglichkeiten des geselligen Zusammenseins und führt die Jugend von Generation zu Generation an das Peiner Freischießen heran, beziehungsweise direkt in das Fest hinein.