1777
In diesem Jahr findet sich der älteste Bericht über die Aktivitäten der Peiner Junggesellschaft. Inhaltlich ging es den Bürgersöhnen darum, ihre tatsächlichen Rechte beim Peiner Freischießen klarzustellen. Denn bis dato war ihnen unter den unterschiedlichsten Bedingungen der alten Freischießenordnungen erlaubt „mit zu schießen zum besten Gewinn“.
Beim Schaffer Oeckermann fanden die Bürgersöhne Gehör. Oeckermann verfasste eine „Gemüßigte Vorstellung“ an den Rat, der dann dieselbe als Rundspruch weitergab:
„Beykomende gemüßigte Vorstellung des Achtemann Oeckermann zeiget, wessen sich derselben annähme. Da nun keine Zusammenkunft des ersten und nachsitzenden Rahtes mehr seyen kann, so wollen die sämtlichen Herren Ihre Vota hier unterschreiben. Ob die gesuchte Änderung eintreten und bewilligt werden? Oder Ob es bey der bisherigen Ordnung und Articulis bleiben solle. Peine den 17. Mai 1777“.
Verschiedene Herren des Rates befürworteten eine Änderung der Freischießenordnung: „Achtmänner sagen, dass ein Bürgers Sohn, wenn er mit aus- und einzieht, den besten Gewinn haben soll. Ich gebe mein Votum dazu allein, es möchte doch ein gemäßes Alter abgefragt werden. “ -H. Bertrand.
„Ich gebe es sämtlichen Herren Anheim, ob die Schützenarticuli abermals zu verändern sind, so wie aufgeführt wird.“ -Fr. C. Martens.
„Für meine Persohn genehmige ich das Petitum, weil es schon in verwichenden Jahr so gut als resortieret ist.“ -N.W.A. Bremer.
Es blieb aber dabei, dass der Sohn nur für seinen Vater schießen durfte. Die Bürgersöhne mussten noch bis 1814 warten. Dann durften sie endlich als eigene Kompagnie mitmarschieren.
1814
Es sind die jungen Bürger, die im Rausche des Sieges über Napoleon am 12.03.1814 eine Junggesellen-Kompagnie gründen. Sie wollten damit dem überkommenen Pflichtschießen der Jungbürger ein Ende setzen und unter eigener Regie beim Freischießen mitmarschieren und Schießen. Diese Junggesellen-Kompagnie hatte jedoch noch keine Satzung und auch keine schriftliche Genehmigung vom Rat, dennoch ist sie als Ursprung unseres Corps der Bürgersöhne anzuerkennen. Inwieweit es zu der Franzosenzeit noch die alte Organisation der Schützen-Gesellschaft gegeben hat, ist nicht bekannt. Wir wissen nur von den Bemühungen um das Freischießen unter Maire Hübotter.
1824
Unter diesem Jahr ist in der Freischießenabrechnung, neben dem vom Sergeanten Öding für die Junggesellen gezahlten Schießgeldern und den letztere ausgegebenen Zitronen, folgendes vermerkt: „für Sappeurs vom Jahre 1823 und 1824 an Öding bezahlt 3 Rthlr 8 gg (Reichstaler – gute Groschen). Die Zitronen wurden zum Herstellen von Limonade für die jungen Leute benötigt, die noch kein Bier trinken durften. Wir können dieses als ersten Beweis dafür annehmen, dass bereits 1823 schon die Sappeure (Bärenjungen) vor der Junggesellenkompagnie zum Freischießen auszogen. Bis heute marschieren vor dem Corps der Bürgersöhne, junge Leute mit Lederschürze, Bärenfellmütze, Bart und geschultertem Beil. Sie wurden bis ins heutige Jahrhundert hinein Sappeure genannt. Heute nennt man sie allgemein „Bärenjungen“. Sappeur oder Pionier bedeutet z.B. Bahnbrecher. Es ist im In- und Ausland heute noch üblich, das den Traditionseinheiten Pioniere in ähnlicher Montur vorausziehen.
1830
Es ist schade, dass über die Traditions-Vorgänger des Corps der Bürgersöhne so wenig Schriftliches existiert, umso glücklicher können wir sein, dass es die Fundgrube, das Schafferbuch der Schützengesellschaft, gibt. 1830 wird die „Compagnie aus unverheirateten Bürgern“ offiziell genannt!
1834
Es wird erstmals eine bleibende Königsscheibe des Corps vergeben.
1848
In Peine gab es, außer einzelnen Krawallen, keine Revolution. Aber zur Vorsicht wurde eine Bürgergarde ins Leben gerufen. In diesem Jahr zog die Schützengilde nicht als eigene Corporation aus und schloss sich der Bürgergarde an. Nur das Corps der Bürgersöhne zog als eigene Corporation aus. Wohl, weil die Mitglieder noch nicht Soldat sein durften.
1850
Am 9. Februar 1850 beantragten der Deputierte Kürschner Karl Langner und der Schaffer Knopfmacher F. Hildebrand des Corps der Bürgersöhne, beim Magistrat der Stadt Peine, den Bau eines stehenden Zeltes: „Die Junggesellenkompagnie beabsichtigt, sich ein stehendes Zelt in der Art, wie das Schützenzelt, jedoch einfacher und billiger zu erbauen, um solches beim Freischießen und bei sonstigen Bällen zu benutzen. Wir ersuchen den wohllöblichen Magistrat der Junggesellen Compagnie hierzu einen geeigneten Platz anzuweisen und zu bewilligen. Am zweckmäßigsten erscheint uns der Platz am so genannten Herrenzelt, um in einer Front mit diesem zu sein, weil hier das Junggesellenzelt schon früher stets aufgebaut und man hier am wenigsten mit Schwierigkeiten der übrigen Zeltbauer zu rechnen hat.“ In der Sitzung am 16. März 1850 wurde den Junggesellen ein Zeltbau von 42 Fuß Breite und 60 Fuß Länge (ca. 13 x 20 m) unter verschiedenen Auflagen genehmigt.
1863
Zum ersten Mal ist in diesem Jahr die Junggesellen-Kompagnie als „Corps der Bürgersöhne“ bezeichnet. Unter diesem Namen wird das Corps nun ausmarschieren. Als fast 200 Jahre alte Corporation gilt sie als der „Sauerteig des Peiner Freischießens“
1865
15 Jahre nach dem Bau des festen Zeltes wurde ein Bühnenanbau, zur Verlängerung des Zeltes von 25 Fuß (ca. 8 m), vorgenommen.
1871
Die Bürgerkompanien lösten sich am Ende der 60er-jahre immer mehr auf, Freischießen wurde nur noch von den Traditions-Korporationen der Schützengilde und des Corps der Bürgersöhne aufrechterhalten. Da drängte sich förmlich eine Alternative auf, die zum einen die Tradition der Bürgerkompanien aufnehmen sollte, zum anderen aber als Corporation frei sein sollte. So gründeten einige ehemalige Junggesellen einen Verein zur Teilnahme am Peiner Freischießen, der bereits 1872 unter dem Namen Bürger-Jäger-Corps auszog.
1872
Es erfolgt ein weiterer Anbau an das Junggesellenzelt. Diesen genehmigte die Stadt nur unter der Auflage, das Zelt sei dem Rat bei Bedarf unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.
1877
Im Jahr 1877 wurde die Kleiderordnung angepasst: Anstelle des bisher vorgeschriebenen Fracks, durfte nun ein Gehrock getragen werden.
1888
Die Statuten des Corps werden durch die Stadt Peine am 30.05.1888 bestätigt.
1890
Dem geplanten Abriss des Junggesellenzeltes wird nicht zugestimmt, vielmehr wird das Zelt umfangreich renoviert.
1903
Es wird der Beschluss zur Aufstellung einer Passiven Abteilung gefasst.
1910
Die veränderten Zeiten machten es den jungen Leuten schwerer, sich selbst zu führen und zu verwalten. Deshalb versuchten bereits seit 1903 ältere, zum Teil verheiratete, Mitglieder, den Junggesellen zu helfen. Am 6. Oktober 1910 wurde in der Satzung verankert, dass verheiratete Corps-Mitglieder weiterhin, aber in einer eigenen Abteilung, im Corps bleiben dürfen, um die jungen Leute zu unterstützen.
1913
Zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig wird an der Westseite unseres Zeltes, ein Gedenkstein aufgestellt und mit einem großen Fackelzug aller Korporationen und Jugendverbänden eingeweiht.
1914
An den drei Freischießentagen regnet es in Strömen. Dennoch zieht der Magistrat anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Corps der Bürgersöhne, auf Ratsbeschluss hin, mit den Junggesellen über Freischießen aus. Ausnahmsweise durfte das Corps den sonntäglichen Freischießen-Festumzug anführen, gefolgt von der Schützengilde, dem Neuen Bürger Corps, dem Walzwerker Verein, dem Arbeiter Bildung Verein und dem Bürger Jäger Corps. Die Bürgertöchter Peines hatten zum festlichen Anlass eine Fahne gestickt und dem Corps gestiftet.
1929
Die Passive Abteilung schießt erstmals einen eigenen König aus.
1949
Durchführung des ersten Peiner Freischießens nach dem 2. Weltkrieg. Die Könige werden in der Turnhalle der Bodenstedtschule, mit Luftgewehr, ausgeschossen. Unmittelbar nach dem Freischießen 1949 gründen sieben Junggesellen den Schießclub „Horrido“, aus dem 1950 die Schießabteilung des Corps der Bürgersöhne hervorgeht. Seither wird durch die Schießabteilung jährlich der sog. „Kleine König“ ausgeschossen.
1951
Beginn der Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten an den „Heiligen Hallen“, sodass in dem notdürftig hergerichteten Junggesellenzelt, erstmals nach dem 2. Weltkrieg, wieder Freischießen gefeiert werden kann.
1953
Das Schießen um das „Grüne Band“ der Stadt Peine findet erstmals statt. Der Wettbewerb um das Grüne Band wird von allen Freischießencorporationen ausgerichtet und von den vereinten Schießabteilungen gestiftet.
1956
Das Königsschießen findet erstmals auf dem neu erbauten Sundern-Schießstand, eine Woche vor Freischießen, statt.
1958
Die Schützenkönige des Peiner Freischießens werden erstmals auf dem Marktplatz durch den Bürgermeister proklamiert.
Umfangreiche Renovierungsarbeiten an den „Heiligen Hallen“
1966
Zum ersten Mal wird das, nun schon traditionelle, Höhenfeuerwerk auf dem Schützenplatz abgefeuert.
1978
Umfangreiche Anbauarbeiten am Zelt, u.a. werden Toiletten und Garderobenräume erstellt.
Fassadenerneuerung des Junggesellenzeltes. Dabei wurde der Torbalken des Scheuneneinfahrt des Hofes Giere in Eixe zur Gestaltung der östlichen Gebäudefront als Scheintor verwendet. Der Balken war ein Geschenk aus der musealen Sammlung des Landkreises Peine.
1990
Umfangreiche Dacherneuerung des Junggesellenzeltes.
1991
Anschluss der „Heiligen Hallen“ an das Fernwärmenetz.
1997
Die „Heiligen Hallen“ erhalten von der Privatbrauerei Härke eine neue Theke. In diesem Zuge wurde sich dazu entschieden, auch das linke „Kabuff“ zu renovieren. Hier entstand ein kleiner Abstellraum für das Collegium, um die vielen Utensilien, die sie über Freischießen benötigen, sicher verstauen können.
2003
Die Passive Abteilung feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Festkommers und veröffentlicht eine Festschrift.
Der Bühnenanbau wird in Eigenleistung grundsaniert, u.a. wird eine Fachwerkwand aufgebaut und eine Tageslichtbeleuchtung über Dachflächenfenster installiert.
2010
Eine neue Tradition ist geboren: Die Junggesellen verköstigen an Christi Himmelfahrt die vielen vorbeikommenden Mitglieder und Anders-Korporierten am Junggesellenzelt und legen so den Grundstein, zur Finanzierung, der 200-Jahr-Feier in 2014.
2012
Bedingt durch erhebliche Probleme in den Grundleitungen der Heiligen Hallen, entschließen sich die Junggesellen zur Totalsanierung und Renovierung des WC-Sanitärtraktes. Viele Arbeiten werden durch Eigenleistung, insbesondere aber unter der Führung und tatkräftigen Mithilfe von Volker Schewe, ausgeführt. Auch das Dach des Anbaus bekommt, aufgrund vieler Leckagen, eine komplett neue Abdichtung und Isolierung. Beide Maßnahmen wurden durch Spenden der Mitglieder und Peinern finanziert.
2014
Zum 200-jährigen Bestehen durften die Junggesellen erneut den sonntäglichen Freischießen-Festumzug, nach Antrag an die Schafferrunde, anführen. Zuvor veranstalteten sie am 14. Juni 2014 (den Samstag nach dem offiziellen Gründungsdatum 12. Juni 1814) einen feierlichen Festkommers mit anschließendem Großen Zapfenstreich im historischen Burgpark. Musikalisch begleitet wurde der Festakt von der Trachtenkapelle St. Barbara sowie dem Spielmannszug des MTV Stederdorf und dem Fanfarenzug Ölsburg. Unterstützung zum Gelingen der Veranstaltung gab es auch von der Schützengilde. Zudem wurde eine Festzeitschrift erstellt. Mit zwei festlichen Silvesterbällen wurde in das Jubiläumsjahr hinein- und auch wieder hinaus gefeiert.
2017
Der Saal der „Heiligen Hallen“ wird umfangreich saniert. Die alte Decke wurde durch eine Neue ersetzt. Die Wände wurden begradigt, neu verkleidet und tapeziert. Die alten, zum Vorschein gekommenen, Fachwerkbalken wurden überarbeitet und die gesamte Elektrik und Beleuchtung wurden erneuert. Vieles wurde in Eigenleistung erbracht, aber auch einige Peiner Firmen haben tatkräftig mitgeholfen. Finanziert wurde die Sanierung u.a. durch Spenden der Mitglieder, Geschäftsleuten und Freunden des CdB.
2020 und 2021
Zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg fallen in den Jahren 2020 und 2021, aufgrund des Corona-Virus, das Peiner Freischießen sowie die meisten Veranstaltungen des CdB, aus. Freischießen, und das normale Vereinsleben, beginnen wieder ab dem Frühjahr 2022.
2025 und 2026
Ende 2025 begannen die Umbauarbeiten des Clubraums inklusive Küche, sowie der Garderobe und des Flures. Dies waren die bis dahin aufwändigsten Renovierungsarbeiten des Corps. Der, in die Jahre gekommene, Anbau wurde bis auf die Grundmauern erneuert: Sämtliche Elektrik und die Beleuchtung wurden komplett ersetzt, ein neuer Fußboden verlegt und eine neue Theke eingebaut, die nun den kleinen Saal prägt. In der Niesche neben der Theke lädt ein bequemes Sofa zum Verweilen ein. Zudem wurde eine Klimaanlage installiert, um auch bei sommerlichen Temperaturen, für ein angenehmes Raumklima zu sorgen. Im gleichen Zuge wurde die Garderobe renoviert. Unter anderem wich die „Durchreiche“ zugunsten eines Schranks, in dem zu Freischießen etwa die Zylinder hineingelegt werden können. Der Flur erhielt einen neuen, zum Gesamtkonzept passenden, Fußboden sowie einen modernen Anstrich. Zusätzlich wurden die alten Holzstühle durch moderne und stapelbare Polsterstühle ersetzt.
Auch diese Arbeiten wurden größtenteils in Eigenleistung erbracht. Ohne die tatkräftige Unterstützung und die große Spendenbereitschaft von Mitgliedern, Freunden und Unternehmen, wäre diese umfangreiche Modernisierung nicht möglich gewesen.





